Kirchenkonzert am 25.06.2009

Schon seit mehreren Jahren besucht ein Männer-Quartett aus Odessa an der Schwarzmeerküste den Rhein-Lahn-Kreis. Einer Anfrage für ein gemeinsames Konzert wurde natürlich gerne nachgekommen. So wurde die Bornicher Kirche einmal mehr zum Konzertsaal...




Eine knisternde Stille machte sich im Kirchenschiff breit. Obwohl sich nicht die "Chippendales", sondern ein Männer-Gesangsensemble aus der Ukraine angesagt hatte, war das weibliche Geschlecht im Publikum doch deutlich in der Übermacht. Zuvor machten die Sänger des MGV "Freundschaft" noch den "Anheizer". Nach drei Stücken hieß es "Bühne frei": Die vier Herren traten ganz in schwarz und mit roter Fliege unter das gleißende Halogenlicht vor den Altar. Bereits am vergangenen Sonntag beim Weinblütenfest konnten sie Werbung in eigener Sache machen. Gekonnt moderierte Jörg Weinand vor den Stücken über deren Inhalt. Der erste Teil bestand aus Auszügen der Liturgie der russisch-orthodoxen Kirche und war somit primär sakral geprägt und enthielt viele gregorianischen Elemente. Der glockenklare Tenor, begleitet von einem burschikosen Lächeln, von Valeriy Regrut ging ohne Umwege direkt unter die Haut. Der vibrierende Bass von Oleg Piltschen und die reinen Stimmen vom 2. Tenor Valentin Oleinitschenko und dem Bariton Vladislav Muschinsky sorgten für einen harmonischen Klangteppich. Die Akustik der Bornicher Kirche tat ihr Übriges für die allgegenwärtige Gänsehaut.
Dem geneigten Sänger war aufgefallen, dass die Herren zwar über eine so genanntes "absolutes Gehör" verfügten, d.h., die unterschiedlichsten Töne ohne jegliche Hilfsmittel angeben konnten, doch während der Vorträge "klebten" auch diese Ausnahme-Könner häufig am Notenblatt. Ein Problem, das jeder Chorleiter kennt, der versucht ein wenig Dynamik in die Stücke zu dirigieren. Die Ukrainer hatten aber keinen Chorleiter...
Als sich das Quartett unter herzlichem Applaus in die Pause verabschiedete, nahm der MGV "Freundschaft" vor dem Altar erneut Aufstellung und erfreute das fachkundige Publikum mit weiteren Liedern.
Der zweite Teil beinhaltete ukrainische Volkweisen. In der Anmoderation beschrieb Jörg Weinand, dass sich das Liedgut der Ukraine entweder "himmelhochjauchzend" oder "zu Tode betrübt" darstellt, je nach Inhalt. In gekonntem Wechsel wurde dies überaus deutlich. Ein todtraurige Mutter, die ihren flügge gewordenen Sohn ziehen lässt wird abgelöst vom jungen Liebesglück. Die Mimik der Sänger verdeutlichte die Emotionen zusätzlich. Emotion ist ein gutes Stichwort. Ergriffene Gesichter während des tosenden Schlussapplaus'. Standing Ovations und rhytmisches Klatschen. Als Zugabe wurde sogar deutsch gesungen: "Rosemarie". Nach zwei weiteren Zugaben verließen die Vier den Innenraum. Vor der Tür standen sie noch Rede und Antwort und waren anschließend noch beim "Afterglow" im Rosengarten anzutreffen.
Eine der mitgereisten "Groupies" aus Marienfels beschrieb so treffend, es sei noch Platz in der Kirche gewesen und so wurde eine Wiederholung für das kommende Jahr ins Auge gefasst.

Hier zwei Presseberichte früherer Konzerte:

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